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Immobilie mit 100-%-Finanzierung kaufen: So funktioniert es

Finanzierung10. Juni 20268 Min. LesezeitVon Alexander Heil

„Dafür braucht man doch viel Eigenkapital" ist der häufigste Satz, den wir im Erstgespräch hören, und einer der größten Irrtümer beim Immobilieninvestment. Bei unseren Kunden ist die 100-%-Finanzierung des Kaufpreises der Regelfall: Die Bank finanziert die Wohnung vollständig, das Eigenkapital deckt im Wesentlichen die Kaufnebenkosten. Dieser Beitrag erklärt, wie das funktioniert, was Banken sehen wollen und wann die Vollfinanzierung wirtschaftlich sinnvoll ist.

Was bedeutet 100-%-Finanzierung genau?

Bei der 100-%-Finanzierung (Banker sagen: 100 % Beleihungsauslauf) finanziert die Bank den kompletten Kaufpreis der Immobilie. Aus eigener Tasche zahlen Sie nur die Kaufnebenkosten: Grunderwerbsteuer (in Bayern 3,5 %, der niedrigste Satz Deutschlands), Notar und Grundbuch (ca. 1,5 bis 2 %) sowie ggf. Vermittlungs- oder Beratungskosten. Bei einer 289.000-€-Wohnung sind das rund 15.000 bis 20.000 €. Zusammen mit einer Liquiditätsreserve planen wir in der Praxis mit rund 30.000 € Eigenkapital, statt 70.000 bis 80.000 €, wie viele annehmen.

Was Banken wirklich prüfen

Die Bank stellt bei einer Vollfinanzierung zwei Fragen: Trägt der Kunde die Rate? Und: Trägt das Objekt seinen Preis? Konkret heißt das:

Der unterschätzte Punkt

Die Objektqualität ist bei der Vollfinanzierung wichtiger als beim Eigenkapital-Kauf. Banken finanzieren 100 % nur, wenn die eigene Wertermittlung den Kaufpreis bestätigt. Ein durchgerechnetes, energieeffizientes Objekt in nachgefragter Lage ist deshalb nicht nur eine bessere Anlage, sondern auch leichter zu finanzieren. Beides gehört zusammen.

Warum die Vollfinanzierung für Kapitalanleger oft sinnvoll ist

1. Der Hebel-Effekt

Die Rendite auf Ihr eingesetztes Eigenkapital steigt, je weniger davon im Objekt gebunden ist. Wenn Mieteinnahmen und Steuervorteile den Großteil der Rate tragen, arbeitet fast ausschließlich das Geld der Bank für Ihren Vermögensaufbau.

2. Zinsen sind absetzbar, Tilgung nicht

Bei vermieteten Immobilien sind sämtliche Finanzierungszinsen Werbungskosten. Ein höherer Fremdkapitalanteil bedeutet mehr absetzbaren Zinsaufwand, was die Steuerersparnis in der Aufbauphase erhöht. Details dazu in unserem Beitrag Steuern sparen mit Immobilien.

3. Liquidität bleibt frei

Eigenkapital, das nicht im ersten Objekt steckt, bleibt verfügbar: als Sicherheitspuffer, oder als Nebenkosten-Budget für das zweite Objekt. Portfolio-Aufbau funktioniert über Liquidität, nicht über maximales Eigenkapital pro Wohnung.

Wann eine Vollfinanzierung nicht passt

Ehrlichkeit gehört dazu: Die 100-%-Finanzierung ist kein Dogma. Wer ein unsicheres Einkommen hat, keinerlei Rücklagen behält oder die Rate nur im Best Case tragen kann, sollte nicht voll finanzieren, oder noch nicht kaufen. Unsere Kalkulationen enthalten deshalb immer Stresstests: Was passiert bei Mietausfall, was bei höherem Zins nach der Zinsbindung? Wenn die Rechnung nur ohne Puffer aufgeht, raten wir ab.

So läuft es bei BM Property Partners

Finanzierung ist bei uns kein nachgelagerter Schritt, sondern Teil des Konzepts: Im Analysegespräch prüfen wir Ihre Ausgangslage, strukturieren die Finanzierung mit unseren Bankpartnern, inklusive KfW-Förderkrediten bis 150.000 € bei förderfähigen Objekten, und rechnen das Gesamtpaket konservativ durch, bevor Sie eine Entscheidung treffen. Sie sehen vorab schwarz auf weiß, was die Wohnung Sie im Monat wirklich kostet.

Fazit

Die 100-%-Finanzierung ist kein Trick, sondern solides Handwerk: stabile Bonität plus belastbares Objekt plus konservative Kalkulation. Wer diese drei Bausteine zusammenbringt, startet mit rund 30.000 € Eigenkapital in einen Vermögensaufbau, den Mieter und Finanzamt mittragen, und behält Liquidität für den nächsten Schritt.

Häufige Fragen

Kann ich eine Immobilie wirklich ganz ohne Eigenkapital kaufen?
Den Kaufpreis: ja, bei guter Bonität. Die Kaufnebenkosten (in Bayern ca. 5 bis 7 %) sollten Sie aus eigenen Mitteln tragen, das sind bei einer 289.000-€-Wohnung rund 15.000 bis 20.000 €. Eine Finanzierung über 100 % inklusive Nebenkosten ist möglich, aber selten empfehlenswert.
Welche Voraussetzungen brauche ich für eine 100-%-Finanzierung?
Stabiles Einkommen (typischerweise ab ca. 60.000 € brutto), saubere Schufa, tragbare Haushaltsrechnung und ein Objekt, dessen Wert den Kaufpreis bestätigt. Die Mieteinnahme wird bei der Bank angerechnet.
Ist eine Vollfinanzierung nicht riskant?
Sie erhöht den Hebel, in beide Richtungen. Deshalb gehören konservative Kalkulation und Stresstests (Mietausfall, Anschlusszins) zwingend dazu. Bei solider Bonität und durchgerechnetem Objekt ist die Vollfinanzierung ein etabliertes Instrument der Kapitalanlage, kein Spekulationsinstrument.
Bekomme ich mit 100-%-Finanzierung auch KfW-Förderung?
Ja. KfW-Förderkredite (bis 150.000 € pro Wohneinheit bei förderfähigen Objekten) werden in die Gesamtfinanzierung integriert und verbessern durch günstigere Zinsen die Rate.
Porträt Alexander Heil
Financing Consultant, BM Property Partners
Alexander Heil

Strukturiert Finanzierungen mit Bankpartnern, inklusive KfW-Förderung und 100-%-Finanzierung.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Steuerliche Effekte hängen von Ihrer persönlichen Situation ab; Förderkonditionen und Gesetzeslage können sich ändern. Sprechen Sie vor einer Entscheidung mit Ihrem Steuerberater, wir binden ihn auf Wunsch direkt in die Beratung ein.

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